„Brasilien gehört für die deutsche Industrie gegenwärtig zu den interessantesten Märkten weltweit.“

Prof. Dr.-Ing. Hans-Peter Keitel - ehem. Präsident des BDI

Deutsch–Brasilianische Beziehungen

Die Netto-Direktinvestitionen aus Deutschland machten 2013 in Brasilien ca. 2,2 Mrd. Euro aus. Der akkumulierte Bestand deutscher Direktinvestitionen, der Reinvestitionen berücksichtigt, betrug 2012 rund 24 Mrd. Euro. Deutschland war 2013 der bedeutendste europäische Handelspartner Brasiliens und nach China, den USA und Argentinien der wichtigste Handelspartner überhaupt des südamerikanischen Landes. Das Handelsvolumen zwischen den beiden Ländern betrug im Jahr 2013 ca. 20 Mrd. Euro. Deutschland exportierte dabei 11,4 Mrd. Euro, die Exporte Brasiliens nach Deutschland beliefen sich auf ca. 9 Mrd. Euro. São Paulo ist der größte deutsche Industriestandort außerhalb Deutschlands, wo rund 1.500 Unternehmen mit deutschem Kapital insgesamt über 250.000 Menschen beschäftigen. Die engen Beziehungen zwischen Deutschland und Brasilien haben unter anderem auch historische Gründe. Seit dem frühen 19. Jahrhundert emigrierten schätzungsweise 300.000 Deutsche oder deutschsprachige EuropäerInnen nach Brasilien. Zwischen 600.000 und 1,5 Mio. Brasilianerinnen und Brasilianer sprechen noch heute Deutsch als Muttersprache (neben Portugiesisch).

Der deutsch-brasilianische Austausch wird in verschiedenster Weise gefördert. Seit 1969 besteht ein Rahmenabkommen, das die deutsch-brasilianische Wissenschafts- und Technologiekooperation fördert und den Schwerpunkt der Zusammenarbeit auf Umwelt und nachhaltige Entwicklung legt. Diese Zusammenarbeit spiegelt sich in Forschungsprojekten und politischen Initiativen, aber auch in akademischen Austauschprogrammen wider. So ermöglichen Stipendienprogramme des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) in Kooperation mit seinen brasilianischen Partnern Forschungsaufenthalte von brasilianischen und deutschen WissenschaftlerInnen im jeweiligen Gastland. Zwischen 2005 und 2013 verbrachten 9.500 BrasilianerInnen und 7.500 Deutsche einen Studien- oder Forschungsaufenthalt in Deutschland bzw. Brasilien. In den letzten Jahren wurde Deutschland für brasilianische NachwuchswissenschaftlerInnen ein immer attraktiverer Studienstandort. Dazu trug auch das brasilianische Stipendienprogramm „Programa Ciência sem Fronteiras“ bei, welches zwischen 2011 und 2014 ca. 6.500 BrasilianerInnen, die hauptsächlich Studien in den Bereichen Ingenieurwesen, Technologie und Naturwissenschaften nachgehen, einen Studienaufenthalt in Deutschland ermöglichte Brasilianische Studierende gehörten 2013 bereits zu den 20 größten ausländischen Studierendengruppen an deutschen Universitäten. Es ist folglich davon auszugehen, dass das entstandene Potential deutsch-brasilianischer Kooperation zukünftig zu einer noch stärkeren Vertiefung der wirtschaftlichen Beziehungen beider Länder führen wird.