„Brasilien gehört für die deutsche Industrie gegenwärtig zu den interessantesten Märkten weltweit.“

Prof. Dr.-Ing. Hans-Peter Keitel - ehem. Präsident des BDI

Marktentwicklung Brasiliens

Verglichen mit anderen Industrienationen und Schwellenländern hat die Wirtschaft Brasiliens die Krisen der letzten Jahre gut überstanden. Nach einem starken Wirtschaftswachstum von 7,5% im Jahr 2010 schwächte sich die Konjunktur Brasiliens in den darauffolgenden Jahren allerdings etwas ab. 2013 lag das Wirtschaftswachstum noch bei 2,5%, im vergangenen Jahr 2014 bei 0,3%. Die Arbeitslosenrate ist im selben Zeitraum auf 4,9% gesunken und ging einher mit einer Stärkung der Kaufkraft pro Kopf. Staatlich geförderte Programme und eine gute Konjunktur in den letzten Jahren halfen hunderttausenden Brasilianern und Brasilianerinnen, den Sprung von der Armut in die Mittelschicht zu schaffen. Die im Oktober wiedergewählte Regierung unter Präsidentin Rousseff hat zurzeit jedoch mit gedämpften Erwartungen der wirtschaftlichen Akteure zu kämpfen. Weltweit sinkende Rohstoffpreise und Engpässe bei der Produktion von Strom aufgrund von ungewöhnlicher Wasserknappheit in Brasilien sorgten in den letzten Wochen und Monaten für schwächelnde makroökonomische Kennzahlen, die man seit längerem nicht mehr gewohnt war.

Wie sich der brasilianische Markt im Jahr 2015 entwickelt, ist deswegen schwer abzuschätzen. Die politischen Entscheidungsträger sind gefordert, auf steigende Energiekosten und höhere Inflationserwartungen bei einem gleichzeitig auftretenden Staatshaushaltsdefizit angemessen zu reagieren. Wirtschaftliche Prognosen für die kommenden Jahre sind infolgedessen mit Vorsicht zu genießen. Die Weltbank rechnet für 2015 mit einem Wirtschaftswachstum von 1% und für 2016 mit 2,5%. Der IWF erwartet für die Jahre 2015 und 2016 Wachstumsraten, die knapp über den Zahlen der Weltbank liegen.